Persönlichkeitsstörung und soziale Phobie – Na was solls!!

Habe diese Krankheit halt, na und? Hab mich jetzt auch wieder im normalen Job durchgebissen. Arbeit als Programmierer an der Uni und hab die Probezeit bestanden :-). Änstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung und trotzdem irgendwie erfolgreich.
Aber der Weg war laaaaaaaaaaaaaang.
Naja, zugegebenermaßen, bin oft zurückhaltend, in mich gekehrt, angespannt und wenig kommunikativ. Geht nun mal nicht anders, bin halt nicht Supermann, aber irgendwie doch. Nebenbei baue ich mit nem Kollegen was ganz tolles auf:
Umwelt- und Artenschutzprojekt.
Das macht irre Spaß und Arbeit mit Tieren hilft mir das Elend, was manchmal noch existiert, gut zu bewältigen.

Regel 1: Lass Dir Dein Leben nicht von der Sozialen Phobie wegnehmen!!!!
Du bist mehr als die Angst! Also fange an rauszugehen, ab und an auch mal gegen nen Laternenpfahl laufen, weitermachen!!
Das Leben hat viel zu bieten, aber nur wenn Du Dich traust. Ist leider so, oder aber vielleicht ist es so ja auch gut?

Der sozialen Phobie die Stirn geboten

Hab seit Anfang Feburar nen neuen Job, an der Uni. Eine tolle Sache ist das, gutes Gehalt und gute Tätigkeit. In der ersten Woche jedoch wieder massive Panikattacken. Ich dachte, die soziale Phobie lässt mir keine Chance, dachte ich schaffe das nicht. War teilweise so verzweifelt, weil ich dachte, diese Phasen längst überwunden zu haben. Aber eine neue Situation bedeutet viel viel Stress, also ist auch die Angst stärker. Mache jetzt jeden Tag vor der Arbeit Sport, während der Arbeit, in der Mittagspause, auch. Das hilft mir. Bin nicht mehr so nervös und angespannt. Joggen reduziert das Angstniveau; ich merke danach richtiggehend, wie sich Schultern und Nacken entspannen.

Der sozialen Phobie die Stirn geboten, mit Lavendel

Zusätzlich zu meinn normalen Medikamenten nehme ich jetzt Lavendeldragees und trinke Lavendeltee, einen Liter am Tag, auch das reduziert die Anspannung etwas. Dass die Soziale Phobie nicht weggedrängt werden kann, weiß ich. Ich versuche sie also ein Stück weit zu integrieren, aber eben so, dass die mich nicht durch ständige Panikattacken überrollt. Gestern war ein super Tag, war auf der Arbeit ohne Panikattacken, ohne Lorazepam, ohne große Hilfsmittel. Nur Sport und Lavendel und, ach ja, son homöopathscies Mittel, nux vomica, hilft gegen Stress und bei mir auch gegen soziale Phobie. Gestern war ich richtig richtig glücklich, die Soziale Phobie ist mein bester Freund und gleichzeitig mein ärgster Feind, aber ich kann mit ihr leben.

Leserpreis Lovelybooks: Soziale Phobie: Die Krähe und der Papagei

Es ist schon toll, wenn ich richtig gute Phasen habe, dann merke ich die Soziale Phobie nicht mehr, ich hätte das nicht für möglich gehalten. Es ist manchmal wie weg, ich muss mich dann zwicken, weil ich es selbst fast nicht glaube. Naja, dann kommen aber auch wieder Phasen, wo mich die soziale Angst dann doch einschränkt. Ich muss auf mich achten: Sport, keine Zigaretten, nicht zu viel Bier, dann geht es. Ich traue mir wieder viel mehr zu und habe wieder Freude am Leben. Nach 3 harten Seuchenjahren!!

Ich würde mich sehr freuen, wenn vielleicht einige Leser des Buches „Soziale Phobie: Die Krähe und der Papagei“ bei lovelybboks in der Kategorie „Sachbuch“ das Werk für den Leserpreis Lovelybooks 2015 bewerten und nominieren :-)

Das geht hier: http://www.lovelybooks.de/leserpreis/2015/nominierungen/sachbuch/

Vielen Dank :-)

Stufe 3 erreicht

Nachdem ich aus der Klinik kam habe ich mir vorgenommen eine langsame, langsame, fortschreitende Heilung in 4 Stufen zu schaffen.

Stufe 1: Erstmal irgenwie klarkommen. Zurück zu Hause sein, nicht zu sehr in alte Muster verfallen. Nicht zu viele Drinks und möglichst kein Lorazepam. Keine großen Ziele setzen, mit ganz kleinen Schritten zufrieden sein, irgendeinen Job (völlig egal welchen) finden. Auch ok, wenn vieles nicht klappt, sich selber loben, sich ein guter Freund sein.
Hat geklappt :-) Diese Stufe währte ungefähr 4 Monate. Manchmal war ich so dermaßen alle, so ko, immer noch so viele Angstattacken, aber ich habs geschafft.

Stufe 2: Immer noch irgendnen Job machen, kann ruhig lausig sein. Weiter an mir arbeiten. Mir mehr zutrauen, mehr Risiken eingehen, stabiler werden, langsam mehr Energie kriegen. Sich manchmal zurücknehmen, nicht überfordern, aber auch etwas mehr wagen. Ich sein! Hat auch geklappt, hat ungefähr 3 Monate gedauert :-)

Jetzt bin ich in Stufe 3, ich versuche nun einen etwas besseren Job zu finden. Ich gehe viel weg, auch ohne Alkohol. ich laufe einfach mal so in der Stadt herum, treffe mich einfach mal so mit Leuten. Ein paar Bier sind ab und an ok, keine Kippen mehr!! Es geht jetzt darum die Stabilität zu unterfüttern, die soziale Phobie laufen zu lassen, weiter in die Normalität kommen. Also schaue ich jetzt z.B. nach besseren Jobs, arbeite nebenbei weiterhin an einer Selbstständigkeit, initiiere verschiedene Projekte (Buch, Firma, Anträge, Ökoprojekte etc.). Der Tag ist gut ausgelastet, Abends gibts Tee und kein Bier, Sport wird wieder integriert. Bislang läufts gut.

Aus der „Hardcoremisere“ raus zu kommen hat in meinem Fall 2,5 Jahre gedauert, wollte vieles nicht wahr haben, hab mir was vorgemacht.
Stufe 1 +2 haben nochmal länger als ein halbes Jahr gedauert. Mit Stufe 3 kann ich mich prima arrangieren, aber wer weiß, vielleicht ist ja auch Stufe 4 möglich.

Das Leben ist wieder da

Es geht mir gut. Ich bin stabil im Job und die haben mir (obwohl ich es garnicht wollte) dort sogar mehr Verantwortung gegeben, schön :-)
Naja, manchmal bin ich ziemlich gerädert, manchmal auch unsicher und manchmal auch ziemlich ängstlich, aber ich habe einen Weg gefunden. Ich greife jetzt nochmal an, hab ein paar Ideen, die ich nun versuchen werde, über einen Forschungsantrag mit einer Uni zu realisieren. Wichtig ist: Es dreht sich schon eine ganze Weile nicht mehr alles um die Angst, sie ist kleiner geworden, trotzdem oft spürbar, aber sie dominiert mich nicht mehr. Ich passe auch etwas mehr auf mich auf, nicht zuviel Stress, eigene Bedürfnisse beachten. Sich selber ein guter Freund und Kollege sein….und sich nicht verbiegen lassen. Ich freue mich, dass es jetzt so ist wie es ist, aber ich weiß auch: Vorsicht, es kann auch wieder schlechter werden…Aber daran denke ich jetzt nicht so sehr, ich genieße und freue mich über das erreichte und den jetzigen Status….
Ein Kumpel hat einen netten kleinen TV-Bericht auf Youtube gedreht:
YouTube-Video

Soziale Phobie ist ein ständiger Kampf

Trotz der Besserung, Soziale Phobie bedeutet ständsig zu kämpfen und „Ball zu bleiben“. Medikamente, immer wieder Expositionsübungen, sich der Realität zu stellen. Und es gibt Schwankungen, mal klappt es besser mal nicht so gut. Immerhin, ich bin jetzt fast zwei Monate auf der Arbeit, ohne Tavor. Ich stelle mich dem Ganzen jeden Tag, ich habe gelernt es anzunehmen und zu akzeptieren, meistens. Manchmal zieht es aber auch elendig viel Energie. Wichtig ist: Nicht zu sehr bewerten und schon garnicht verurteilen. Außenwahrnehumung. Erleben, dass manchmal die Panik kommt, spüren and annehmen. Es klingt einfach und ist doch nicht immer leicht.

Medikamente gegen soziale Phobie

Die Medikamente gegen soziale Phobie wirken weiterhin gut. Paroxetin und Seroquel sind ein gutes Duo. Entscheidend ist aber die Kopfarbeit. Ich sage mir immer wieder: Ich habe einen Detektiv auf der Schulter, welcher die Situation betrachtet. Ist es wirklich so angsterzeugend. Angst und Anspannung dürfen kommen, sind ok, sind Teil eines veralteten Denkens. Radikale Akzeptanz, ich akzeptiere die Situation voll und ganz. Ich bewerte und verurteile nicht, ich eigne mir den barmherzigen Blick an. Das alles ist völlig harmlos.

Dieses Denken hilft mir ungemein, ich habe wieder mehr Lebensqualität. Außerdem habe ich ein kleines Projekt initiiert, mit dem ich in späteren Zeiten etwas Geld generieren werde. Vogel-Beobachtung.de, ein Forum zu Vogelbeobachtungen und Vogelbestimmungen, mit Bilderupload, Vogel-Lexikon und Verortung von Vogelsichtungen in einer Karte. http://vogel-beobachtung.de.

Jetzt 9 Tage im neuen Job – trotz sozialer Phobie

Trotz der Phobie bin ich nun 9 Tage im neuen Job, in einer Fabrik. Naja, eine ganze Menge Arbeitskollegen sind Vollidioten, die von Freundlichkeit und zuvorkommendem Umgangston noch nie etwas gehört haben fürchte ich. Aber das ist ein gutes Übungsfeld und ich bin froh, dass ich mich da durchwühle. Hoffe, die Anfangs-Meckerzeit hört mal langsam auf, geht mir auf den Geist. Ich nehme keine Benzodiazepine mehr, das ist stark. Lebe mit Paroxetin und Quetiapin ganz gut. Die Maloche ist wie Sport, bin nach der Schicht ganz schön gerädert, aber keineswegs unzufrieden.

Riesige Fortschritte

Die Fortschritte sind stark. Es ging mir in den letzten 2 Jahren nie besser. Kann wieder so ziemlich alles machen. Gehe raus, auch in Situationen, die ich früher unangenhem fand, wage mich, gehe ins Risiko. Nehme auch noch ein neues Medikament: Quetiapin, das tut mir recht gut. Ich hätte nicht mehr gedacht, dass ich solche Fortschritte machen kann. Am 1. März fange ich einen neuen Job an, trotz Sozialer Phobie. Dann begleitet die mich halt, na und? Gestern war ich in Hamburg, im Stadion, hab meinen Vater getroffen. Viele, viele Menschen, war eigentlich kein so besonderes Problem für mich, abends war ich natürlich aber ko. Ich freue mich, dass es so ist wie es ist.

Gutes Leben trotz sozialer Phobie

Trotz sozialer Phobie ist ein angenehmes Lebens machbar. Es geht über radikale Akzeptanz und langsame Veränderung. Ich wusste, dass es funktioniert, nur hat es gedauert, bis ich den Schalter finde bzw. mir jemand diesen zeigt. Es ist ein ganz anderes Lebensgefühl. Auch das Buch „Soziale Phobie: Die Krähe und der Papagei“ läuft ganz gut, das freut mich, und es freut mich, wenn ich einige Erfahrungen zurückgeben kann. Und gleich wird Sport gemacht, dran bleiben!!! Jeden Tag Expositionsübungen und sich dafür loben :-)

Wieder zu Hause

Ich bin wieder zu Hause und guter Dinge. Heute steht einiges auf dem Plan, Behördengänge, Arztbesuch, Einkaufen etc.
Ich fühle mich viel vitaler und fitter als noch vor dem Klinikaufenthalt. Ich weiß, dass es noch ein längerer Weg ist, aber die Akzeptanz des Ganzen tut mir gut. Es wird immer mal wieder Rückfälle geben, aber ich werde heute z.B. ohne Sicherheitsverhalten in alle Situationen hineingehen, und vermieden wird heute auch nicht…Ich freue mich.